von Thomas Wuttke

Um was geht’s?

Erfahrungsbericht von einer der ersten PMP-Prüfungen online zu Hause. Wie erging es dem Prüfling? Es berichtet Wolfgang Krisch, PMP

Seit Mitte April 2020 kann das PMP-Examen auch online – also außerhalb der Testzentrum – vom heimischen Computer abgelegt werden.
Dies ist ein erster Erfahrungsbericht von einer Prüfung Ende April.

CAPM und ACP machen es bereits, jetzt der PMP

Mit dem Wechsel des Testproviders von Prometric zu PearsonVue im Sommer 2019 bot PMI auch gleich zwei Examen online an, nämlich den CAPM und den PMI-ACP. Beide Zertifikate können seit diesem Zeitpunkt bereits online abgelegt werden. Das heißt, man spart sich in erster Linie Reisekosten und -zeit und kann bequem in gewohnter Umgebung das Examen machen.

Es gab schon länger die Diskussion, dass dies auch auf den PMP ausgedehnt wird, aber bisher waren bei PMI die Bedenken gegen diesen Schritt groß. Der PMP ist und bleibt das Flaggschiff und es sollen keinesfalls die Standards durch eine PMP Examen online-Version verwässert werden. Aber mit dem Schließen der Pearson Testcenter wegen der Coronakrise kam auch hier einiges ins Rollen. Online-Testing für den PMP ist sei Mitte April 2020 möglich.

Gute Nachricht, oder?

Was auf den ersten Blick sehr verheißungsvoll aussieht, muss von jedem Einzelnen gut durchdacht werden, da es eine ganze Reihe von Dingen gibt, die zu berücksichtigen sind. Denn ganz klar sollen die gesetzten Sicherheitsstandards auch im PMP Examen online oben gehalten werden. Die Freigabe, dass der Test nun nicht mehr im Testzentrum gemacht wird, bedeutet nicht, dass die Standards reduziert werden. Schauen wir uns aber zunächst den Prozess an.

Freigabe seitens PMI bleibt gleich

Auf die Freigabe zur Prüfung hat das Ganze keinen Einfluss. Die Eingangsvoraussetzungen und der Erfahrungsnachweis bleiben identisch. Es ändert sich ja gewissermaßen nur der Ort der Prüfung. Und genau deswegen, wird nach Freigabe von PMI die Entscheidung ob Online oder im Testcenter, bei der Festlegung auf der Pearson Webseite getroffen.

Was genau bedeutet PMP-Examen online?

Jetzt zum Verfahren:

Zunächst die Systemvoraussetzungen:

  • Windows 10 oder Mac OS 10.3 oder höher. Kein Linux, Unix oder anderes Betriebssystem
  • Keine Firewall, kein VPN o.ä., keine zusätzlichen Monitore
  • Browser neueste Versionen, alle gängigen sind erlaubt, Cookies müssen erlaubt sein, keine Pop-up Blocker
  • Stabile Internetverbindung!
  • Gute Webcam, stehende Mikrophone- und Audioverbindung
  • …und es wird eine kleine Software installiert

Mit diesen Systemvoraussetzungen dürften die meisten Firmenrechner schon mal nicht in Frage kommen. Es gibt aber auch einen Systemtest von Pearson, der sagt, ob der Rechner geeignet ist.

Der Prüfungsraum und die Prüfung
  • Zuhause oder im Büro ist egal – zumal ja viele den Unterschied zwischen zuhause und Büro in jüngster Zeit gar nicht mehr kennen.
  • Sichtbare Wände, nichts sollte herumliegen, Türen zu und niemand im Raum.
  • Es gibt eine permanente Video- und Audioverbindung zu einem „echten“ Menschen irgendwo im Pearson-Universum. Dieser Mensch heißt Proctor.
  • Der Proctor wird mit der Videokamera des Rechners den Raum sehen wollen, bevor es losgeht. Es gibt also eine kleine virtuelle Haus- naja, Raumführung. Also Hütte auf Vordermann bringen.
  • Es kann sein, dass der Proctor verlangt, dass Sie die Ärmel hochkrempeln. Nicht um Ihnen Mut zu machen, sondern um zu sehen, ob Sie etwas auf den Arm notiert haben.
  • Hilfe ist definitiv während der Prüfung verboten.
  • Alles Zubehör ist verboten. Keine Stifte, Uhren Post-ITs oder sonst was. Alles muss weg.
  • Während der Prüfung: Nichts essen, nichts trinken (Da ist das Bild von der PMI-Webseite auch schon mal falsch)
  • Sie müssen die ganze Zeit im Sichtfeld der Videokamera des Proctors bleiben
  • Und natürlich antwortet Ihnen der Proctor nicht, wenn Sie ihn fragen, wie die CPI-Formel lautet.
  • Es gibt eine erzwungene 10 Minuten Pause, die den Test in zwei Teile gliedert. Nach dieser Pause kann nicht mehr auf die Fragen des ersten Teils zugegriffen werden.
Nachteile des PMP Examen online Tests

Die Vorteile sind offensichtlich, vor allem wenn man die Promo-Videos von PMI und Pearson sieht. Da sitzen gut aussehende Leute entspannt auf der Couch mit ihrem Notebook und machen mal so nebenbei das PMP Examen online.

Aber Achtung! Hier mal ein paar Überlegungen, die Ihnen bei Ihrer Entscheidungsfindung helfen sollen:

  1. Internetverbindung. Eine Unterbrechung der Internetverbindung ist ein Fail und bedeutet Durchgefallen.
  2. Virenscanner-Pop-up. Ist ein Virenscanner installiert, dreht der natürlich im Kreis, weil ja ein Eindringling auf dem Computer ist. Hat der Scann ja auch recht, nur hilft er mir in diesem Fall nicht.
  3. 2×2 Stunden nichts Trinken. Während der Prüfung nichts essen, nichts trinken. Dafür gibt es in der Mitte eine 10 minütige Zwangspause.
  4. 2×2 Stunden das Trinken auch nicht wegbringen. Denken Sie daran, dass auch ein Toilettengang – im Gegensatz zum Test im Testzentrum – nicht möglich ist. Sie können noch nicht einmal den Proctor mit Ihrem Notebook „mitnehmen“. Ich weiß, Sie sagen jetzt, 2 Stunden sind doch kein Problem. Theoretisch richtig. Es gibt aber genug Seelen, die genau dann wollen, wenn es nicht erlaubt ist.
  5. (Zwangs)Pausen. Pausen sind natürlich möglich, aber nur im Blickfeld des Proctors und auf Kosten der eigenen Zeit. Im Testzentrum kann man die Pausenzeit frei einteilen. In der Mitte des Online-Tests gibt es eine 10 minütige Zwangspause. Das ist gut – aber leider hat man danach keinen Zugriff mehr auf die Fragen des ersten Teils. Achso, und wenn Sie nach 10 Minuten nicht mehr auftauchen ist die Prüfung natürlich vorbei…
  6. Verzicht auf Privacy. Sie verzichten zu Beginn der Prüfung auf jedwede Privacy. Also volle Video- und Audiokontrolle, die auch aufgezeichnet wird.

Wer diese Punkte im Blick hat, für den ist das PMP Examen als Online-Test eine absolut sinnvolle und gute Möglichkeit, noch flexibler bei der Durchführung der Prüfung zu sein.

Zu Erwähnen sei noch, dass es im Netz Berichte gibt, dass die Nachfrage nach Online-Prüfungsterminen das Angebot an Proctoren zeitweise überschreitet und man daher als Prüfungszeit einen Slot um 3 Uhr morgens vorgeschlagen bekommt.

Über Projektmanagementpodcast.com

projektmanagementpodcast.com entstand aus dem Podcast von Wuttke&Team. Zunächst nur als kleines Hörspiel zwischen dem Abteilungsleiter König und dem Projektleiter Stein, die sich immer wieder in den langen Gängen der Pfefferminzia-Versicherung treffen und über das eine oder andere Projektmanagementthema philosophieren. Das war im September 2017.

Später (Ende 2018) wurde daraus der Projekt-Tambaya-Podcast. In diesem Format kamen noch mehr Interviews dazu, aber auch Reflexionen und auch erste Schwerpunktfolgen.

Mitte 2020 ist dann der komplette Podcast auf die Plattform projektmanagementpodcast.com umgezogen. Den Tambaya-Podcast gibt es noch immer, aber nun kamen noch weitere Schwerpunktfolgen dazu.

Unsere Vision

projektmanagementpodcast.com ist der führende Projektmanagementpodcast im deutschsprachigen Raum und ist ein eigenständiges Medienlabel mit unterschiedlichen Formaten und Partnern.

Hören Sie hier die allererste Folge aus dem September 2017

Podcast #97 erstmals veröffentlicht am 02.05.2020

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1 Kommentar
  • […] Termine sind frei wählbar. Das gilt für ein Testzentrum, als auch für die Online-Tests. In der Coronakrise 2020 hat PMI die Möglichkeit von Onlinetests geschaffen. Ob das was für Sie ist, können Sie einem Podcast entnehmen, den wir zu diesem Zweck mit einem der ersten Online-Absolventen aufgenommen haben… […]

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